Wenn man an der Rummelsburger Bucht steht, in der Dämmerung die Boote leise kluckern hört und dann plötzlich den Duft von Erdäpfelsuppe mit Geselchtem in der Nase hat, kann man schon mal vergessen, dass man sich in Berlin befindet. Spätestens wenn Mathias Brandweiner charmant ins Glas lächelt und vom Leben „daham“ erzählt, ist man geistig längst in Niederösterreich angekommen – genauer gesagt im Waldviertel.
HEIMATABEND IM HEIMATHAFEN


Zur alten Flussbadeanstalt 5
10317 Berlin
Der Gastgeber der Hafenküche bringt nicht nur sein unwiderstehliches Waldviertler Timbre mit, sondern auch Geschichten von granitenen Hügeln, duftendem Heu und bodenständiger Gastlichkeit. Für diesen besonderen Abend hat er sich mit Frederik Grieb zusammengetan, einem Koch, der weiß, wie man genussvolle Momente kreiert – ob auf der MS Europa oder im Pots im Ritz-Carlton. Gemeinsam nehmen sie ihre Gäste mit auf eine kulinarische Reise, die so ehrlich und warmherzig ist wie ein Sonntagmittag bei Oma, nur eben mit Feinschliff. Das Menü liest sich wie ein Liebesbrief an die Region: Ein Gruß aus dem Heurigen, mit Aufstrichen und Bauernbrot, macht den Anfang – ganz so, als würde man in einem Mostviertler Hof einkehren. Dann kommt diese cremige Erdäpfelsuppe mit Geselchtem, die nach Holzofen und Winterabend schmeckt. Der Zander trägt Mohn – natürlich, denn ohne Mohn geht im Waldviertel gar nichts – und liegt elegant auf Wurzelgemüse. Danach kommt das, was Wiener und Berliner gleichermaßen zum Schweigen bringt: ein Grammelknödel, prall, saftig, mit geschmolzenem Sauerkraut. Und wenn man denkt, jetzt geht nichts mehr, kommt sie, die Wachauer Marillenbuchtel, flaumig und von Vanillesauce umarmt – ein Dessert wie eine Liebeserklärung an die Kindheit.
Dazu fließt, was fließen muss: Weine, die Mathias persönlich ausgesucht hat – Lieblingsflaschen aus seiner Heimat, jede mit einer kleinen Geschichte. Und weil er ein geborener Gastgeber ist, erzählt er sie auch, mit dieser Mischung aus Schmäh, Charme und einem Augenzwinkern, das selbst den Nordlichtern ein Lächeln entlockt.
Frederik und Mathias zeigen, dass Kulinarik nicht immer abgehoben sein muss, um großartig zu sein. Manchmal reicht ein Teller voller Erinnerung, ein Glas voll Charakter – und ein Gastgeber, der mit jedem Satz und jedem Schluck spüren lässt: „Hier geht’s um echte Freu(n)de.“ Ein Abend, der beweist: Das Waldviertel ist vielleicht weit weg. Aber an diesem Abend liegt es direkt am Wasser – in der Hafenküche Berlin.

