Wenn Bradley Cooper im Film „Burnt – im Rausch der Sterne“ als manisch getriebener Koch mit perfekt geschnittenem Gemüse und emotionalen Ausrastern um den dritten Michelin-Stern kämpft, dann darf das Publikum in der Astor Filmlounge am Kurfürstendamm diesmal nicht nur zusehen, sondern auch mitessen. In den gemütlichen Sesseln des schönsten Kinos der Stadt serviert der Berliner Sternekoch Nikodemus Berger ein veganes Menü, das so viel Drama, Leidenschaft und Präzision enthält wie der Film selbst. Während Cooper alias Adam Jones auf der Leinwand den Kochlöffel zum Schwert erhebt, regiert im Kinosaal die leise Eleganz pflanzlicher Haute Cuisine – ganz ohne Geschrei, aber mit ebenso viel Feuer.
GENUSSVOLLES KINO


Kurfürstendamm 225 | 10719 Berlin
Nikodemus Berger, der im Bonvivant Cocktail Bistro in Schöneberg sowohl einen Michelin-Stern als auch den grünen Stern für Nachhaltigkeit trägt, steht für jene Generation Köche, die aus Gemüse Kunst, aus Kräutern Charakter und aus Karotten kleine Offenbarungen macht. Er ist Wiener, aus Überzeugung Vegetarier und aus Leidenschaft Revolutionär. Seine Küche ist verspielt, präzise, farbig – und vor allem ein Statement: Genuss ohne Tier muss nicht nach Verzicht schmecken, sondern nach Zukunft. Wer im Bonvivant schon einmal gegessen hat, weiß, dass Berger nicht nur Gemüse schnitzt, sondern ganze Geschichten auf den Teller bringt. Mal duftet es nach geröstetem Sellerie, mal nach fermentiertem Blumenkohl, manchmal nach Überraschung. Passend dazu schenken Andreas und Regina Stigler vom VDP.Weingut Stigler aus Ihringen am Kaiserstuhl die Weine des Abends aus – flankiert von der nächsten Generation, die langsam das Ruder übernimmt. Für diesen besonderen Anlass haben die Stiglers sogar eine Sonderfüllung kreiert: zwei kleine Flaschen à 0,375 Liter, einmal Weißwein, einmal Rotwein, mit Liebe gefüllt und mit Hang zur Perfektion. Dass sie damit dem Filmhelden Adam Jones Konkurrenz machen, versteht sich von selbst. Nur dass sie ihre Perfektion ganz ohne Wutausbrüche und zerstörtes Porzellan erreichen.
Und dann ist da noch Knut Elstermann, Berlins charmantester Filmkenner, der den Abend moderiert. Als „Kinoking Knut“ ist er nicht nur den radioeins Hörern wohlbekannt. Filmemacher lieben und fürchten den treffsicheren Kritiker gleichermaßen. Er führt durch den Film, erzählt Hintergründe zu Drehbuchautor Steven Knight (Peaky Blinders) und Starkoch Gordon Ramsay, der bei den Küchenszenen mitmischte. Während Elstermann über die feinen Zwischentöne des Films spricht, serviert Berger Teller, die genau diese Zwischentöne schmecken lassen: die Spannung zwischen Kontrolle und Hingabe, zwischen Druck und Kreativität, zwischen Scheitern und Neuanfang.
Das Format „Genussvolles Kino“ hat bei eat! berlin längst Kultstatus. Seit Jahren verschmelzen in der Astor Filmlounge große Filme mit großen Küchen – und die Gästeliste der bisherigen Kochhelden liest sich wie ein Who’s who der Berliner Gourmetszene: Tim Raue, Alexander Dressel, Sebastian Frank, Hendrik Otto, Franz Raneburger, Michael Kempf – sie alle haben hier gekocht, serviert, erzählt und begeistert. Was als Experiment begann – Kino trifft Küche, Leinwand trifft Löffel – ist inzwischen eine Institution: ein Event, bei dem Gänsehaut und Geschmack Hand in Hand gehen.
Die Astor Filmlounge selbst ist wie geschaffen für solch ein kulinarisches Kammerspiel. Das denkmalgeschützte Kino aus den Fünfzigern wurde aufwendig restauriert. Es riecht nach Geschichte, nach Leder, nach Popcorn, aber heuteeben auch nach gebratenem Kürbis und karamellisiertem Lauch. Wo früher Starsin Pelzmänteln Filmpremieren feierten, wird nun leise geschlemmt, geschlürft, geschaut. Zwischen Gabel und Leinwand geben sich Fiktion und Geschmack ein Stelldichein. Während Adam Jones im Film lernt, dass Perfektion nichts ohne Vertrauen ist, lernt das Publikum, dass vegane Küche längst mehr ist als Verzicht auf Fleisch, Butter und Bratenjus. Sie ist Handwerk, Haltung, Hochgenuss – besonders, wenn Nikodemus Berger sie kocht und Stigler sie begleitet. Am Ende bleibt ein Gefühl, das Film und Menü gemeinsam hinterlassen: Es geht nicht um Sterne, sondern um Leidenschaft. Und um den Mut, immer wieder neu anzufangen – auf der Leinwand, in der Küche und vielleicht auch auf dem eigenen Teller.


