Manchmal fragt man sich ja, wie viel Humor ein Gourmetabend verträgt. Schließlich ist Essen in Deutschland eine ernste Angelegenheit. Die Gabel liegt gerade, der Wein wird geschwenkt, der Blick ist prüfend – und wehe, jemand lacht zu laut zwischen Hauptgang und Dessert. Doch an diesem Abend im Fischer & Lustig wird die Etikette kurzerhand frittiert: Hier trifft Comedy auf Kulinarik, Schwerin auf Berlin, Silvaner auf Satire.
BUTT BEI DIE FISCHE


Poststraße 26 | 10178 Berlin
Am Herd steht Holger Mootz, ein Mann mit so viel Küchenerfahrung, dass er vermutlich sogar ein Spiegelei mit Gault- Millau-Punkten servieren könnte. Seit 1997 trägt er seinen Meisterbrief mit Stolz, hat auf Rügen, in Wolfsburg, in Binz und jetzt in Berlin gekocht. Sein Stil: bodenständig, präzise, aber nie langweilig – so wie ein Fischgericht, das plötzlich besser erzählt ist als jede Netflix-Serie.
An seiner Seite: Marcel Kube aus dem Weinhaus Uhle in Schwerin. Ein Koch, der weiß, wie man Sterne erkocht, ohne abzuheben. Kube kommt aus der sächsischen Schule des feinen Understatements. Bei ihm darf auch mal eine Karotte glänzen, solange sie gut erzogen ist. Marcel kommt aus der Schule von Sternekoch Stefan Hermann. Im Jahr 2019 wurde er dann mit einem Stern ausgezeichnet, für das Gourmetrestaurant 1751 in Schwerin ließ der Gault&- Millau 3 Hauben springen. Damit hat sich Marcel Kube als einer der bestbewerteten Köche Mecklenburgs etabliert. Und dann steht da Manuel Butt, der mit der Schärfe einer Chilischote und der Treffsicherheit eines guten Messers durchs Programm schneidet. Als Autor von Pastewka, heute-show und LOL – Last One Laughing hat er gelernt, dass Timing alles ist – egal ob beim Gag oder beim Gargrad. In seinem Roman „Zierfische in Händen von Idioten“ schwimmen die Pointen so lebendig wie die Protagonisten. Im Fischer & Lustig greift er nun zum Mikrofon statt zur Tastatur und schaut den Köchen beim Anrichten zu, während er das Publikum mit Geschichten füttert, die so herrlich absurd sind, dass selbst der Zander kurz innehält.
Zwischen den Gängen fließt der Wein von Rainer Müller vom VDP.Weingut Max Müller I aus Volkach. Und zwar nicht nur der Silvaner. Seine Weine sind der Beweis, dass Franken Humor und Geschmack hat – trocken, präzise, aber mit einem warmen Nachhall. Müller versteht es, Frische und Finesse so zu kombinieren, dass man beim Trinken leise kichert, ohne genau zu wissen, warum. Vielleicht, weil man plötzlich merkt, dass Wein und Humor ganz viel miteinander zu tun haben. Schön, dass dieses renommierte Weingut bei diesem Spaß mitmacht. Sven Oswald, radioeins und rbb-Fans bekannt aus Funk und Fernsehen, führt charmant durch den Abend, hält die Fäden locker in der Hand, ohne sie zu verknoten – ein Moderator mit feinem Gespür dafür, wann man redet und wann man besser schluckt.
Seinen legendären Wortwitz kennt man auch aus „Zwei auf Eins“, immer sonntags auf radioeins. Und während draußen die Berliner Lichter über der Spree flirren, servieren Mootz und Kube einen Abend, der zwischen Feinsinn und Frechheit pendelt. Es wird gelacht, geschlemmt, geschlürft – manchmal gleichzeitig. Der Wein fließt, die Pointen sitzen, und selbst die Zierfische im Roman hätten ihre Freude daran, solange sie nicht auf dem Teller landen.





