Sternekoch Lukas Nagl macht das wunderschöne Hotel am Traunsee mit dem Restaurant „Bootshaus“ zu einem der spannendsten kulinarischen Orte Österreichs. Hotel und Restaurant liegen malerisch am Ufer des Traunsees in Oberösterreich. Für die eat! berlin wechselt Lukas diesmal das Ufer und wandert vom Traunsee an das Ufer des Landwehrkanals in Kreuzberg. Hier liegt das „Altes Zollhaus“, das in Berlin bereits Kultstatus genießt. Manchmal muss man einfach über den Tellerrand hinausschmecken. Und so kam es, dass der dreifach besternte Marco Müller, Berlins kulinarischer Kompass und Ideensammler im Rutz, eines Abends beschloss: „Mit dem Lukas würd ich gern mal was machen.“ Nur nicht im Rutz – zu viel Berlin-Mitte, zu wenig Ufer. Also im Zollhaus, dem lauschigen Bruder mit Blick aufs Wasser, wo der Abend länger dauern darf und die Weingläser im Kerzenschein ein bisschen schneller leer werden.
- Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.
VOM ANDEREN UFER


Carl-Herz-Ufer 30 | 10961 Berlin
Lukas Nagl ist kein lauter Typ, keiner, der sich selbst inszeniert. Aber wenn er kocht, wird’s still im Raum. Seine Küche im Bootshaus ist so klar wie der See, an dem er lebt. Vier Hauben im Gault-Millau, ein Michelin-Stern, der Grüne Stern für Nachhaltigkeit – all das ist schön, aber fast nebensächlich. Denn was wirklich zählt, ist diese Ruhe, mit der er aus einem Fisch ein Gedicht macht. Lukas ist ein Mann, der lieber angelt als redet und der weiß, dass Reduktion oft das Mutigste ist, was man tun kann.
Im Zollhaus trifft er auf Florian Mennicken, den Küchenchef des Hauses, belgisch geboren, aber längst ein Berliner mit präziser Hand und feinem Gespür. Er hat bei den Besten gelernt – im Lorenz Adlon Esszimmer, im Facil und schließlich unter Marco Müller selbst. Seit er im Zollhaus das Ruder übernommen hat, ist die Küche dort so geerdet wie elegant. Florian bringt die Gelassenheit eines Flussufers mit – und den Ehrgeiz eines Mannes, der weiß, dass wahre Raffinesse nicht laut sein muss und dass sich Exzellenz auch in Rustikalität offenbart. Und so wird an diesem Abend gemeinsam gekocht, gelacht, probiert – vielleicht auch improvisiert. Marco ist natürlich dabei, als Patron, Mentor, Genießer und leiser Strippenzieher im Hintergrund. Ob er selbst einen Gang kocht steht in den Sternen, aber eines ist klar: Seine Handschrift weht ohnehin durch den Raum, zwischen Pfanne und Fischhaut, zwischen Aromen, die einander verstehen, ohne sich zu drängen. Was passiert, wenn der Traunsee am Landwehrkanal anlegt? Wenn Alpenklarheit auf Berliner Tiefgang trifft? Wahrscheinlich genau das, was passiert, wenn Menschen sich ehrlich füreinander interessieren: Man schmeckt’s. Da steht kein Konzept im Vordergrund, keine Show, kein „Look at me“. Nur zwei Köche, die sich gegenseitig ernst nehmen und die Kunst des Weglassens beherrschen.
Der Wein an diesem Abend kommt von Daniel Wagner vom VDP.Weingut Wagner-Stempel aus Siefersheim in Rheinhessen – einem Winzer, der so geerdet ist wie seine Reben. Seine Rieslinge und Silvaner erzählen von Wind, Stein und dieser kargen Schönheit rund um den Höllberg und die Heerkretz. Wer Daniel begegnet, versteht sofort: Hier arbeitet jemand mit Herz, Hand und einem stillen Lächeln, das man einfach sympathisch finden muss. Allerdings muss man bei Wagners Ufer sehr weit zurückschauen. Vor 300 Millionen Jahren lag Siefersheim am Strand des Urmeeres. Die Porphyr- und Melaphyrböden stammen aus dieser Epoche. Heute ist das Weingut uferlos …






