Wenn ein Sternekoch aus Verden, ein junger Wilder aus dem Münsterland und ein traditionsreiches Weingut aus Südtirol aufeinandertreffen, kann man getrost davon ausgehen: Hier wird nicht einfach gekocht, hier wird Geschichte geschrieben – oder zumindest köstlich interpretiert. Denn was diese drei Akteure miteinander verbindet: Sie alle kennen die Regeln … und sie alle brechen damit. Doch dazu später mehr.
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GEGEN DEN STROM


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Im Schmidt Z&Ko in Berlin-Friedenau bittet Küchenchef Gerrit Wensing an diesem Abend zu Tisch – und hat sich dafür zwei außergewöhnliche Partner eingeladen: den legendären Wolfgang Pade von Pades Restaurant aus Verden und Anton Baron von Longo vom Weingut Baron Longo aus Südtirol. Wensing, gerade einmal 30 Jahre jung, gehört zu jener Generation, die sich nicht von Hierarchien beeindrucken lässt, sondern lieber mit Geschmack überzeugt. Seine Stationen lesen sich wie ein Streifzug durch die Spitzengastronomie: Le Canard bei Ali Güngörmüs, Louis C. Jacob bei Thomas Martin, La Vie bei Thomas Bühner, dazu zwei Schweizer Zwischenstopps und zuletzt vier Jahre als Sous Chef im Rutz Zollhaus. Seit Mai 2025 ist er Küchenchef im Schmidt Z&Ko – präzise, unprätentiös, norddeutsch geradeaus.
Sein Gast dagegen hat alles erlebt, was die Branche hergibt – und dabei immer sich selbst behalten: Wolfgang Pade, Koch, Vordenker, Gewürzmagier, TV-Koch, Genussmensch. Vom Rauswurf in der Ausbildung („nicht für den Beruf geeignet“) führte ihn sein Weg in die Küchen von Eckart Witzigmann, Dieter Müller und Alain Ducasse. 1992 eröffnete er in seiner Heimatstadt Verden sein eigenes Restaurant, erhielt den Michelin-Stern – und gab ihn später freiwillig wieder ab, um sich kulinarisch zu befreien. Heute steht Pade für kompromissloses Handwerk, eine Prise Anarchie und ein unverwechselbares Gespür für Aromen.
Das passende Pendant im Glas liefert Baron Longo – ein Weingut, das seit 1658 Weinbaugeschichte schreibt. Hier, im Herzen Südtirols, werden Eleganz und Charakter auf höchstem Niveau verbunden. Ob Chardonnay, Pinot Grigio oder Cuvée: Diese Weine haben Tiefe, Stil und eine gewisse aristokratische Lässigkeit. Wenn also norddeutsche Direktheit, Südtiroler Noblesse und Berliner Neugier aufeinandertreffen, entsteht etwas, das man nicht planen kann: ein kulinarischer Dialog zwischen Generationen, Regionen und Temperamenten. Im Schmidt Z&Ko wird gekocht, probiert, erzählt und geschmeckt – mit Leidenschaft, Witz und handwerklicher Klasse. Und ganz sicher wird Wolfgang Pade auch diesmal wieder zeigen, dass die besten Rezepte jene sind, die sich nicht an Regeln halten.
Und das bringt uns zum „Schwimmen gegen den Strom“: Baron Longo ist Demeter zertifiziert, arbeitet minimalinvasiv, gehört aber nicht zur Naturweinszene. Der Kellermeister findet die perfekte Balance zwischen den Stühlen. Im Ergebnis: Weine mit großer Bekömmlichkeit und in Perfektion ausgebaut. Wolfgang Pade legte eine Traumkarriere hin und arbeitete in den besten Betrieben. Er erkochte den begehrten Stern, aber nur um ihn wieder abzugeben. Er wollte sich befreien. Auch Wensing hat einen Lebenslauf, der vor allem mit Blick auf das Alter bemerkenswert ist. Jetzt verantwortet er die Küche des SchmidtZ&Ko, ein Betrieb, der nicht nur für Fine-Dining steht, sondern für vinophile Lebensfreude. Ein Ort der Begegnung und des Genusses, aber ohne Sterneambition. Denn auch er könnte den Stern aus dem Handgelenk heraus kochen.



